Abschlussausstellung 2026
Jahrgang einundzwanzig

Linus Bredehorst

En passant

Wir hassen es zu verlieren und lieben es zu gewinnen. Gefühle, die wir nicht kontrollieren können. Sie stehen uns ins Gesicht geschrieben.

Zwei Menschen sitzen sich gegenüber. Sie sprechen nicht miteinander. Zwischen ihnen liegen 64 Felder und 32 Figuren. Alles, was zählt, ist das Spiel. Schach ist mehr als ein Wettkampf. Es ist ein Moment der Offenbarung. Die Konzentration wird zum Tunnel, hinter dem sich nichts mehr verstecken lässt: Ehrgeiz, Zweifel, Frustration, Hoffnung, Angst und der unbedingte Wille zu gewinnen.

Zum ersten Mal erlebte ich das mit acht Jahren, als ich mit meinem Opa spielte. Zwischen uns lagen sechzig Jahre Altersunterschied, doch am Schachbrett spielte das keine Rolle. Ich verlor oft, aber aufzugeben kam nie infrage. Mit der Zeit wurde das Gewinnen nebensächlich. Mich faszinierte der Mensch hinter den Figuren. Schach braucht keine Worte. Setzen Sie sich ans Brett und spielen Sie eine Partie. Früher oder später werden Ihre Emotionen Sie verraten.

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En passant